Das erste Wochenende College Football liegt hinter uns und wie nicht anders zu erwarten gab es auf der einen gleich die ersten großen Überraschungen und auf der anderen Seite böse Packungen für das Kanonenfutter, welches sich die meisten powerhouses zum Saisonauftakt vorsetzen lassen. Der Reihe nach:

Am letzten Donnerstag begann die Saison mit dem Aufeinandertreffen der alten Rivalen South Carolina (SEC) und North Carolina State (ACC) – Endstand: 7-3. Es war die erste schmerzliche Niederlage der ACC an diesem Wochenende – und es sollte nicht die letzte bleiben. Die aggressive defense der Gamecocks war zuviel für das Wolfpack, die im gesamten Spiel nur 133 yards an Raumgewinn erzielen konnten. So reichte South Carolina der Touchdown, den sie im ersten Viertel erzielten, nachdem sie einen fumble des Wolfpack an deren 14-yard-Linie sichern konnten. Der Sieg hätte auch noch deutlicher ausfallen können, wenn die Gamecocks sich nicht zu oft mit eigenen Fehlern (turnovers, penalites) um die Früchte ihrer Arbeit gebracht hätten.

Ebenfalls am Donnerstag gab es die erste faustdicke Überraschung der Saison. Die Oregon Ducks krochen gegen die Boise State Broncos nur wie angeschossene Erpel über den wirklich sehr blauen turf im Bronco Stadium. Nachdem die Ducks in der letzten Saison eine der aufregendsten und besten offenses im ganzen Land waren (485 yards und 42 Punkte pro Spiel; 8. bzw. 7. in division I-A), gelang ihnen gegen die Broncos in der ersten Halbzeit nicht mal ein first down. Mit hohen Erwartungen und viel Vorschußlorbeer ausgestattet (16. im AP preseason poll), war die offense der Ducks nicht mehr wiederzuerkennen. Am Ende standen auf Oregons Seite nur 8 Punkte und 152 yards an total offense – so wenige wie seit 15 Jahren nicht mehr. Boise State (14. AP) dagegen war überraschend stark in der Verteidigung und zeigte gewohnt gute Leistungen auf der offensiven Seite. Wenn nicht 3 vergebene Field-Goal-Möglichkeiten in der ersten Hälfte und drei fumbles in der zweiten Hälfte gewesen wären, hätte das Ergebnis noch viel höher ausfallen können als das letztendliche 19-8. Trauriger Höhepunkt für die Enten war direkt nach Spielende dann diese Aktion

Zur Eröffnung des traditionellen college-football-saturday besuchte Navy (indepdendent) die Ohio State Buckeyes (BigTen) im Horseshoe in Columbus. Wie so oft mit ganz hohen Erwartungen gestartet (6. in den preseason polls, mit dem Ziel, wie 2006 und 2007 in das NCAA Championship Game einzuziehen) sahen sich die Buckeyes ganz schnell auf den harten Boden der Realität zurückgeholt. Die 12 Punkte, die sie nach drei turnovers der Midshipmen machten, haben sie aber noch gerettet. Vorher wurde es noch einmal knapp. Mit einer 29-14-Führung im Rücken und noch 6:27 Minuten zu spielen versuchten sie einen 4th&2 zu verwandeln und scheiterten – im nächsten Spielzug wirft Navy QB Ricky Dobbs einen 85-yard-TD-pass zu RB Marcus Curry – 29-21. Nur zwei Minuten später wirft Buckeyes QB Terrelle Pryor auch noch eine interception, die zu einem weiteren touchdown von Navy führt. Jetzt steht es 29-27 und die Matrosen versuchen eine 2-point-conversion. Anstatt wie fast das ganze Spiel über es mit einem Lauf zu versuchen, wirft QB Dobbs den Ball in die Hände von Ohio State Linebacker Brian Rolle, der denn Ball über das ganze Feld für zwei Punkte zurückträgt – 31-27, game over. Nächste Woche empfängt Ohio State 3rd-ranked USC und wenn sie da so auftreten wie gegen Navy wird das Spiel so böse enden wie letztes Jahr, als sie von den Trojans mit 35-3 abserviert wurden. Sophmore QB Pryor sah mit dem Arm recht durchwachsen aus (14/21, 174yds, 1TD, 1INT), konnte aber mit seinen Beinen die offensichtlichen Schwächen seiner offensive line ein ums andere Mal auswetzen (6rush, 30yards, 1TD). Ansonsten sah bei den Buckeyes noch true freshman WR Duron Carter, Sohn von Cris Carter recht gut aus (3rec, 21yds), während RB Dan Herron (17rush, 72yds, 1TD) noch nicht den Eindruck macht, als könnte er Chris „Beanie“ Wells ersetzen. Bei den Midshipmen stach neben QB Ricky Dobbs (9/13, 156yds, 2TD, 1INT; 18rush, 83yds, 2TD) vor allem LB Ross Pospisil heraus, der immer zur Stelle war, wenn es einen Brand zu löschen galt. Wenn Navy dieses Niveau halten kann und die Zahl der eigenen Fehler reduziert, können sie dieses Jahr noch für die eine oder andere Überraschung sorgen.

Kaum einem Heimspiel in der Oklahoma State-Geschichte wurde in Stillwater mehr entgegengefiebert. Noch nie sind die Cowboys (Big12) mit so hohen Erwartungen in eine Saison gestartet. Fast alle Stammspieler neben dem playmaker-trio QB Zac Robinson, WR Dez Bryant und RB Kendall Hunter kehren zurück, im AP preseason poll war man 9. Zur Wiedereröffnung des renovierten Boone Pickens Stadium kamen die auf Rang 13 geführten Georgia Bulldogs, die gleich so loslegten, wie man es von einem Team erwartet, das sich Hoffnungen auf den BigTen-Titel macht und unbedingt in einem BCS-Bowl spielen will. Erster drive: 10 plays, 80 yards, QB Joe Cox über 4 yards zu Michael Moore – touchdown, 7-0 Bulldogs. Danach allerdings zeigte OK State, daß sie völlig zu Recht als top-10-Team gehandelt werden. Nach diesem ersten Bulldogs-drive ließen sie nur noch 3 Punkte zu und erzielten selber 24.  Die Verteidigung, letztes Jahr die Schwachstelle der Cowboys, zeigte Georgias offense, die QB Matt Stafford und RB Knowshon Moreno (beides 1st-round picks in der diesjährigen NFL draft) ersetzen mußte, die Grenzen auf. Wenn die eigene offense jetzt noch das Niveau der letzten Saison erreicht, ist sogar der Big12-Titel drin. Cornerback Perrish Cox war der auffälligste Spieler der Cowboys. Und nicht nur hat er star receiver A.J. Green fast völlig aus dem Spiel genommen (4rec, 52yds), sondern ist auch noch ein erstklassiger kick– und punt-returner – die zweite Halbzeit eröffnete mit einem 74-yard-KO-return. OK State 24, Georgia 10.

Nach zwei enttäuschenden Jahren (2007: 3-9, 2008: 7-6) war der Druck groß vor der Saisoneröffnung in South Bend für Notre Dame und insbesondere head coach Charlie Weis. Die Fighting Irish empfingen Nevada mit ihrer gefürchteten „Pistol“-offense, die letztes Jahr, gemessen an erzieltem Raumgewinn, den fünftbesten Angriff des Landes stellten. Dann ging aber alles überraschend schnell und vor allem deutlich über die Bühne. Die Fighting Irish feuerten aus allen Rohren und das Wolfpack sah mehr aus wie ein Korb voller ängstlicher Dackel. Zur Halbzeit stand es 28-0 und die Messe war gelesen. (Endstand 35-0) Quarterback Jimmy Clausen warf mehr touchdowns als incompletions (15/18, 315 yards, 5 TDs, 0 INT) und WR Michael Floyd fing 4 Bälle für beeindruckende 189 yards (47,3yds/catch) und brachte 3 bis in die Endzone. Bei Nevada stach junior RB Vai Taua heraus mit 18 Läufen für 114 yards und 3 receptions für 38 yards.

Im Cowboys Stadium in Arlington trafen die 3rd-ranked Oklahoma Sooners (Big12) auf die an Position 20 geführten BYU Cougars (Moutain West Conference). Die story des Spiels ist schnell erzählt: Heisman Trophy winner Sam Bradford verletzte sich kurz vor Ende der ersten Halbzeit an der Schulter; bei Oklahoma läuft nicht viel zusammen (auch mit Bradford nicht, 10/14, 96yds, 1TD); und BYUs Max Hall (26/38, 329yds, 2 TDs, 2 INT) zeigt allen, daß auch er ein big-time-quarterback ist, als er im viertel Viertel bei einem 7-13-Rückstand seine Cougars in 16 Spielzügen über 79 yards bis in die Sooners Endzone führt – 14-13 BYU.

Im Chick-Fil-A-Kickoff-Game trafen im Georgia Dome zu Atlanta die Alabama Crimson Tide (5. AP, SEC ) und die Virginia Tech Hokies (7. AP, ACC) zum Top-Spiel aufeinander. Alabama war letztes Jahr die Überraschung der Saison und mußte sich erst im SEC championship Game gegen Florida die erste und darauffolgend im Sugar Bowl gegen Utah die zweite Saisonniederalge abholen. Die Crimson Tide überraschte die Hokies, seit Jahren eine der besten Verteidigungen des Landes, mit vielen wildcat looks, aber nach drei guten drives war jeweils nicht mehr als ein field goal drin. Den kickoff nach dem zweiten field goal trug Hokie Dyrell Roberts 98 yards zum touchdown zurück. Dann ging es hin und her. Im zweiten Viertel vollendete RB Roy Upchurch (7rush, 90yds, 1TD) einen langen `Bama drive (11plays, 76yards) mit einem 19-yard-TD-Lauf, den VT mit einem touchdown zur Fürhrung ihrerseits beantwortete (17-16), worauf Crimson Tide kicker Leigh Tiffin zwei Sekunden vor Ende der ersten Halbzeit einen 37-yard-FG-Versuch vergeigt. Im dritten Viertel war es dann über weite Strecken die erwartete Verteidigungsschlacht auf beiden Seiten, ehe sich Alabama im vierten Viertel nach einem TD ihres überragenden RB Mark Ingram (26rush, 150yds, 1TD; 3rec, 35yds, 1TD) die Führung zurückeroberte, 24-17. Den darauffolgen kickoff erobert Alabama nach einem Hokies fumble und erhöht mit einem FG auf 27-17. Nachdem VT nochmals auf 27-24 verkürzen konnte setzte wiederum RB Ingram den Schlußpunkt, indem er einen Paß von QB Greg McElroy über 18 yards in die endzone trägt. McElroy hatte in seinem ersten Karriere-Start eine schwierige Anfangsphase, in der er überhaupt nicht gut aussah, steigert sich dann aber deutlich und sollte eine solide Saison spielen – wichtiger wird für die Crimson Tide allerdings das running-back-duo Ingram/Upchurch sein, die Glen Coffee ersetzen. Endstand: 34-24 Bama.

Sowohl LSU (SEC) als auch Washington (Pac-10) hatten sehr enttäuschende Spielzeiten 2008, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. Die Huskies gewannen als einziges Team in der Division I-A nicht ein einziges Spiel (0-12). LSU, in den fünf Jahren zuvor immer unter den 12 besten Mannschaften des Landes, war Ende der letzten Saison nicht mal mehr in den Top-25-polls geranked und verlor auch noch 5 der 8 conference games. Ein Grund für das schlechte Abschneiden der Huskies letztes Jahr war der Verlust von Riesentalent Jake Locker nach vier Wochen. Washingtons neuer head coach Steve Sarkisian hat mit QB Locker als Mittelpunkt eine ganz neue Offensive auf die Beine gestellt, die sehr gut aussieht und LSUs defense oftmals vor große Probleme gestellt hat. Sarkisian kam von USC, wo er 7 der letzten 8 Jahre als quarterbacks coach und offensive coordinator verbrachte und maßgeblich für die Erfolge von Heisman-Trophy-QB Carson Palmer, Matt Leinart (ebenfalls Heisman-Trophy-Gewinner), Matt Cassell und John David Booty verantwortlich war. Pech nur für Washington, daß sie mit LSU auf ein ungemein starkes Team trafen, das dieses Jahr wieder top-ten-Kaliber hat. Die Huskies konnten lange mithalten bis Tigers sophmpore QB Jordan Jefferson, der vor zwei Wochen erst 19 Jahre geworden ist, 1:54 vor Schluß für seinen dritten TD-pass WR Brandon LaFell in der Endzone fand und auf 31-16 erhöhte. (Endstand 31-23). Der auffälligsten Spieler im LSU Angriff waren neben LaFell (4rec 34yds, 1TD), der aber lange brauchte, um ins Spiel zu finden, WR Terrance Toliver (4rec, 117yds, 2TD), der kräftige RB Charles Scott (12rush, 52yds) und Jefferson (11/19, 172yds, 3 TDs, 0 INT). Auf der anderen Seite des Balles war CB Patrick Peterson der überragende Spieler; ebenfalls stark die Leistung des Linebacker-Trios Perry Riley, Kelvin Sheppard und Jacob Cutrera. Mit der offense in den Händen von Locker (25/45, 321yds, 2 TDs, 1 INT; 12rush, 51yds) und geführt von Sarkisian werden die Huskies dieses Jahr in der Pac10 wieder wettbewerbsfähig sein.

Zum Schluß noch zur Sektion Kanonenfutter:
(1) Florida überrent Charleston Southern mit 62-3; Tebow 10/15, 188yds, 1TD. Nr. 2 Texas läßt Louisana Monroe beim 59-20 keine Chance; QB Colt McCoy 21/29, 317yds, 2TDs; WR Jordan Shipley 8rec, 180yds, 1TD. True freshman QB Matt Barkley (15/19, 233yds, 1TD) führt Nr. 4 USC zu einem ungefährdeten Sieg – 56-3 über San Jose State, kräftige Unterstützung bekam Barkley dabei von den RBs Joe McKnight (14rush, 145yds, 2 TDs), Marc Tyler (5rush, 72yds, 1TD) und Allen Bradford (4rush, 53yds, 1TD). Nr. 9 Penn State ließ Akron keine Chance beim 31-7. Überragende Spieler der Nittany Lions waren QB Daryll Clark (29/40, 353yds, 3 TDs, 1INT) und die beiden sophmore WR Derek Moye (6rec, 138yds, 1 TD) und Chaz Powell (7rec, 65yds, 1 TD).

Noch ein Wort zur ACC. Als wären die Niederlagen von Virginia Tech und North Carolina State nicht schon genug gewesen, ließen sich die Maryland Terrapins auch noch von 12th-ranked Cal vorführen (52-13), deren star running back Jahvid Best für seine 137 yards und 2 TDs nur 10 Versuche brauchte. Wake Forest verlor gegen Baylor (Big12) und um das blamable Wochende für die ACC komplett zu machen, verloren Virginia (14-26 gegen William&Mary) und Duke (16-24 gegen Richmond) auch noch gegen Division-II Mannschaften.