Die NFC North ist diese Saison eine stärkste division der NFL. Die Bears haben ihren ersten guten Quarterback seit den 50er Jahren und die Packers werden dieses Jahr die große Überraschung der NFC werden. Es gibt keine Mannschaft, vor der sie Angst haben müssen und es wird die ersten Green-Bay-playoff-Spiele seit den 80ern geben, in denen der Quarterback nicht Brett Favre heißt. Der ist jetzt nämlich nebenan bei den 10-6-Vikings. Wie das Experiment ausgeht, wird das am meisten beobachtete Thema der Liga sein und bleiben.

1. Packers
2. Vikings
3. Bears
4. Lions

1.Green Bay Packers
Bei den Packers hat letztes Jahr Aaron Rodgers die Ära Brett Favre beendet – und das ziemlich eindrucksvoll (341/536, 63,6%, 4,038, 28 TDs, 13 INT). Der Grund dafür, daß sie trotzdem nur sechs Spiele gewann, war die schwache defense und ein wenig Pech, viele Spiele wurden erst kurz vor Schluß ganz knapp verloren. Die Verteidigung wurde nun völlig umgestalt unter dem neuen defensive coordinator Dom Capers, der von den Patriots kam. Statt einer 4-3 spielt man nun eine 3-4-defense und personell hat man sich mit dem riesigen defensive tackle B.J. Raji und USC-Linebacker-Star Clay Matthews in der ersten Runde der draft gezielt verstärkt.

Die offense macht sowieso keine Probleme, sie wird eine der besten der ganzen Liga sein. Das hat sie letzte Saison schon bewiesen und dieses Jahr werden sie noch besser sein; kein wichtiger Spieler hat die Packers verlassen. Und auch wenn die preseason nicht allzu viel über die regular season aussagt, die folgende Statistik ist ungemein eindrucksvoll: In den ersten zwölf drives der first offense in der preseason haben sie 66 Punkte erzielt (also im Durchschnitt fast ein TD pro drive) und mußen nicht einmal punten.

Und dazu kommt Green Bay auch noch ihr Spielplan entgegen. Bis Thanksgiving werden sie zweimal gegen die Lions spielen (0 Siege letztes Jahr), gegen die Bengals (4), Rams (2) und die Browns (4). Bis zum Dezember werden die Vikings der einzige Gegner sein, der letztes Jahr die playoffs erreicht hat. Und die beiden wichtigsten Spiele des Jahres, in den Wochen 14 und 15 gegen den Erzrivalen Chicago und dann gegen Pittsburgh werden in der frozen tundra stattfinden.

Es wird ein enger Kampf mit den Vikings um den Divisionstitel, aber den Ausschlag wird letzlich geben, daß der Nachfolger von Brett Favre bei den Packers, Aaron Rodgers, besser ist als sein Vorgänger.

2. Minnesota Vikings
Die wichtigste Nachricht für die Vikings: die beiden wichtigsten Spieler für ihre Verteidigung gegen den Lauf dürfen nun doch, nach langem juristischen hin-und-her die ganze Saison durchspielen, und müssen nicht wegen einem angeblichen Dopingvergehen vier Spiele aussetzen. Pat und Kevin Williams (nicht verwandt) sind die Riesen in der Mitte einer Verteidigung, die seit drei Jahren stets die wenigsten rushing yards zuläßt.

Die wichtigsten personellen Verstärkungen: die rookies Percy Harvin und right tackle Phil Loadholt. Der speedster Harvin wurde in der ersten Runde gedraftet, ist unglaublich schnell und wendig und ist universell einsetzbar: als receiver, als running back, als kick– und punt-returner und als quarterback in wildcat-plays. In den letzten Jahren ist er bei Florida nahezu jeder SEC-defense ein ums andere mal mit seiner unglaublichen Explosivität und Schnelligkeit davongelaufen. Kleines Manko: Er schlägt sich desöfteren mit kleinen Blessuren rum. RT Loadholt kommt von den Oklahoma Sooners und soll die schwache rechte Seite der offensive line mit seinem riesigen Körper verstärken. Wenn er die Erwartungen erfüllen kann, hat RB Adrian Peterson, der jetzt in seiner dritten Saison einhellig als bester running back der Liga gilt, also noch mehr Platz für seine Läufe.

Größtes Problem: der neue Quarterback. Der neue Quarterback wurde letztes Jahr als Retter der Jets gefeiert. Vor allem die defense und einer der besten O-lines der Liga plus pro-bowl-running backs Thomas Jones hatten die Jets zu 8 Siegen in den ersten 11 Spielen geführt und fast schon die Playoff-Teilnahme gesichert – und dann begann die große Brett-Favre-Show: in den lezten fünf Spielen warf er 9 interceptions (zum Vergleich: Tom Brady hat 2007 in der ganzen Saison nur 8 INT geworfen) und der einzige Sieg wurde den Jets auch noch vom back-up-QB der Bills, J.P. Losman geschenkt. Die playoffs waren dahin. Und auch in den Jahren vorher hat er gute Jahre der Packers immer mit katastrophalen Entscheidungen zu einem schlechten Ende geführt. Problematischer Nebenaspekt ist noch, daß Cheftrainer Brad Childress jede Glaubwürdigkeit verloren hat in der laaangen kommt-er-oder-kommt-er-nicht-story, indem er mindestens zweimal das Team belogen hat, als er fest behauptete, er setzt ohne Frage auf Tavaris Jackson und Sage Rosenfels. Und dieser 40 Jahre alte Typ, der für immer den Rekord der meisten interceptions halten wird, soll die Vikings jetzt zur Meisterschaft führen? No way! Minnesota kann sich glücklich schätzen, wenn sie trotz Favre irgendwie noch die playoffs erreichen.

3. Chicago Bears
Ganz Chicago und ein Großteil der Footballfreunde weltweit sind unglaublich aufgeregt, weil die Bears sich den Jammerlappen Jay Cutler von den Denver Broncos geholt haben – im Tausch gegen: ihren vorherigen starting quarterback Kyle Orten, 2 first-round picks und einen 3rd-round pick. Es ist der erste trade, in dem zwei starting QBs die Vereine tauschen, seit die Houston Oilers 1980 Dan Pastorini gegen Oaklands Kenny Stabler getauscht haben. Ganz offensichtlich heißt die Devise bei den Bears: win now! 2 first-round picks sind in der NFL Gold wert und Kyle Orten ist nicht so schlecht, wie er immer geredet wird. Er hat zwar keine „rocket-for-an-arm“ wie Cutler, der von sich selbst behauptet, daß er einen besseren Arm hat als John Elway, aber er ist ein solider game manager, der keine großen Fehler macht – ganz im Gegensatz zum gunslinger Cutler. Hinzu kommt noch die große Frage, zu wem dieser großartige Arm denn werfen soll: der aufstrebende top-TE Greg Olsen. OK. Sophmore RB Matt Forte? OK. Aber wie wärs denn mit einem wide receiver, normalerweise die Hauptanspielstation für einen quarterback. In Denver hatte Cutler Brandon Marshall, Eddie Royal und Brandon Stokley. Bei den Bears hat er, äh, Earl Bennett oder Devin Hester – herzlichen Glückwunsch! In jedem anderen Team wären die beiden höchsten dritter receiver, hier und jetzt müssen sie die Hauptlast tragen, ob sie das können, müssen sie erst noch beweisen, bis jetzt jedenfalls spricht nichts dafür.

Win now muß es in Chicago auch heißen, weil die Verteidigung, traditionell das Aushängeschild der Bears, immer älter wird – gerade die star-LB Brian Urlacher und Lance Briggs. Der große Brecher in der D-Line, Tommie Harris, ist dazu auch noch ständig verletzt. Auf dem Papier gibt es keinen Grund zu glauben, daß die defense dieses Jahr besser ist als in der mittelmäßigen letzten Saison.

4. Detroit Lions
Die Lions haben es 2008 tatsächlich geschafft, jedes Spiel zu verlieren – 0-16. Dieses Jahr wird es besser werden, aber nicht viel besser. Es gibt viele neue Spieler (allein 8 neue starters in der Verteidigung) und einen neuen Cheftrainer mit Jim Schwartz. Schwartz kam als defensive coordinator von den Tennessee Titans, wo er eine der besten Verteidigungen der Liga zusammengebaut hat. Für die offense kommt Scott Linehan von den Rams, der dort letzte Saison als head coach seine letzten acht Spiele verloren hat und insgesamt nur zwei Siege besser war als die Lions (2-14). No.1 pick und die große Hoffnung Matt Stafford wird von Anfang an der starting QB für die Lions sein. Grund zur Hoffnung ist das allerdings nicht. Er spielt hinter einer grottenschlechten offensive line und die Gleichung dafür ist recht simpel. Rookie QB X schlechte offensive line = big, big problems. Detroit hat in dieser Dekade schon einmal einen Nr. 1 pick quarterback zersört und mitlerweile erinnert sich auch fast niemand mehr an Joey Harrington.

Und als wär das alles nicht schon schlimm genug, hier noch die ersten sechs Spiele der Lions: at New Orleans, Minnesota, Washington, at Chicago, Pittsburgh, at Green Bay. Vielleicht wirds ja im November was mit dem ersten Sieg: in Woche acht besuchen sie die St. Louis Rams.