NFC West – sie war die Lachnummer der Liga, aber jetzt hat sie drei ernstzunehmende playoff-Kandidaten. Die NFC West ist die Wundertüte der Liga – drei Teams können die division gewinnen (San Francisco, Seattle, Arizona), aber auch genauso gut die ganze Saison in den Sand setzen. Ganz, ganz schwierig zu prognostizieren, denn sowohl die Niners, als auch die Seahawks und die Cardinals können alle sowohl zehn, als auch sechs Spiele gewinnen.

1. 49ers
Mike Singletary, ja genau der Mike Singletary, der in den 80ern als middle linebacker der Anführer der gefürchteten Bears-defense war, die 1985 ganz alleine den Super Bowl gewann und in der regular season nur unglücklich ein einziges Spiel verlor, dieser Mike Singletary hat zur Mitte der lezten Saison des Posten als head coach der 49ers übernommen und der Mannschaft ein neues Image verpaßt. Schlagwörter: old school, hard working, hard hitting, smashmouth football. Ins Fußballdeutsche übersetzt hieße die neue Strategie: über den Kampf in Spiel finden und den Gegner niederringen.

In der defense soll MLB Patrick Willis, defensive rookie of the year 2007, eine aggressive Verteidigung anführen, die sich allerdings erst noch beweisen muß, daß aber in Phasen in der letzten Saison und jetzt in der preseason zum Teil schon getan hat.

In der offense sollen die RBs Frank Gore und rookie Glen Coffee (der in der preseason zeitweise überragend aussah) die Last auf ihren Schultern tragen. Quarterback wird nicht der vormalige Heisman-Tropy-winner Alex Smith, sondern Shaun Hill. Hill konnte recht unbemerkt in den letzten zwei Jahren 7 seiner 10 Spiele als starter gewinnen und hat auch ansonsten recht gute Zahlen vorzuweisen: 181/288, 64.0%; 2,547yards, 18 TDs, 9 INT; 90.5 rating. Wenn jetzt auch noch der diesjährige 1st-round pick und zuküntiger Superstar WR Michael Crabtree seinen peinlichen Verhandlungspoker beendet und unterschreibt, hätten die Niners sogar im passing game einen nur schwer zu stoppenden go-to-guy.

2. Seahawks:
Die Seahawks hatten in der letzten Saison ein ganz schwieriges Jahr mit schon irreal viel Verletzungspech (4-12), nachdem sie 2007 bis in die NFC Divisional playoffs gekommen sind. Der langjährige head coach Mike Holmgren hat sich in den Ruhestand verabschiedet und auch sonst gibt es einige Umbauten bei den Hawks. Neuer erster Mann an der Seitenlinie ist Jim Mora jr., der in seiner Zeit mit den Falcons und Michael Vick Höhen und Tiefen hatte. Quarterback Matt Hasselbeck, immer noch einer der besten QBs der Liga hat mit T.J. Houshmandzadeh eine neue ganz starke Waffe und auch auf rookie WR Deon Butler sollte man ein Auge haben.

Auf der anderen Seite des Balles ersetzt rookie OLB Aaron Curry (4th pick in der draft) Julian Peterson und dazu kommt noch der Quarterback-Schreck Patrick Kearney, derletztes Jahr auch verletzt war. Am interessantesten ist der neue defensive coordinator Gus Bradley. In den letzten Spielzeiten kamen viele neue Formationen und Strategien aus dem highschool- und college-Bereich. Die spread-offense und die wildcat-formation kennt jetzt jeder. Neu dazukommen könnte jetzt die „stack-defense“. Die Aufstellung ist 3-3-5 (3DLs, 3LBs, 5DBs), wobei die drei LBs sich hinter den linemen positionieren und die offense im Unklaren darüber gelassen wird, wer auf den QB zustürmt und wer zurückfällt um gegen Pässe zu verteidigen.

3. Cardinals:
Die Arizona Cardinals, die es letztes Jahr zur Überraschung aller bis in den Super Bowl gebracht haben und dort nur zwei Minuten von der größten Überraschung seit David Goliath geschlagen hat, entfernt waren, bewegen sich diese Saison auf ganz dünnem Eis. Offensive coordinator Todd Haly ist jezt Cheftrainer der Kansas City Chiefs und defensive coordinator Clancy Pendergast hat er gleich mitgenommen. Head coach Ken Whisenhunt, der als offensive coordinator schon einen Super-Bowl-Ring mit den Pittsburgh Steelers gewonnen hat (SB XLV), kann eigentlich nur verlieren, denn erfahrungsgemäß kann man einmal die große Überraschung sein, aber niemals zwei Jahre in Folge.

Die Cards haben nur eine Chance, wenn der 38 Jahre alte Kurt Warner seinen dritten Frühling noch ein wenig verlängern kann. Seine Anspielstationen hat er immerhin noch: Larry Fitzgerald ist der beste wide receiver der Liga und auch Anquan Boldin, der in fast jeder anderen offense der gefährlichste WR wäre, bleibt nach langem hick-hack doch in der warmen Wüstensonne. Der dritte, auch gute WR Steve Breaston ist ebenfalls noch da und mit rookie Beanie Wells hat Arizona jetzt sogar einen RB, der NFL-tauglich sein sollte.

Die defense konnte zwar alle wichtigen Stammspieler halten, aber das wird nicht genug sein. In der letzten Saison war die Verteidigung immer die Schwachstelle und nur zur postseason in guter Form und hatte auch noch das nötige Glück. Letztes Jahr paßte ab Januar in der defense alles, aber auch das wird aller Wahrscheinlichkeit nicht nochmal passieren.

Und wenn sich der fast-Rentner Warner verletzt – er ist 38 und verletzungsanfällig – können die Cards diese Saison ohnehin abschreiben. Denn backup Matt Leinart, obwohl Heisman-Trophy-Winner 2004, hat noch nicht mal ansatzweise bewiesen, daß er auch ein guter NFL-QB sein kann.

4. Rams
Die Rams sind sowas die Detroit Lions der NFC West. Letztes Jahr klägliche zwei Siege und keine Hoffnung auf Besserung. Diese Saison gibt es zwei Strohhalme, an die man sich als Rams-Fans klammern kann. 1) QB Matt Bulger spielt so erstklassig, wie der Vertrag ist, den er hat und RB Stephen Jackson rennt alles in Grund und Boden. Und 2) Der neue head coach Steve Spagnuolo, der als defensive coordinator der Giants eine fast schon unheimlich aggressive und gute defense zusammengezimmert hat (die defense, welche den New England Patriots vor zwei Jahren im Super Bowl den Zahn gezogen hat), bastelt in kürzester Zeit um rookie MLB James Laurinaitis und sophmore DE Chris Long eine ebenso furchteinflößende Truppe. Wenn nicht beides eintrifft, können die Rams schon mal für 2010 planen.