1. Washington Redskins
Wenn in der NFC ein Team für Überraschungen sorgen kann, dann die Redskins; darum sind sie für VierViertel auch das dark horse in der NFC. Anscheinend hat fast niemand bemerkt, daß die Redskins eine der besten defenses der Liga haben – und sie haben sich auch noch verstärkt mit dem Brecher Albert Haynesworth (free agent von den Titans) und mit Quarterback-Schreck Brian Orakpo (rookie von den Texas Longhorns, erste Runde, 12. pick insgesamt)

Hinten brennt also nichts an und vorne kann es nur besser werden. QB Jason Campbell wird nicht der nächste Joe Montana, aber er könnte ein grundsolider guter quarterback sein. Die Skins hatten einen guten Saisonstart letztes Jahr (6-2), aber dann sind sie eingebrochen und haben von den letzten acht Spielen nur zwei gewonnen. Wenn RB Clinton Portis fit bleibt und die sophmore WR Malcom Kelly und Devin Thomas zeigen, daß sie in der NFL gute Paßempfänger sein können, sollte das eine richig gute Saison werden. Und der Angriff muß sich unbedingt verbessern. In den besagten letzten acht Spielen haben sie nur 100 Punkte erzielt – sogar die Lions hatten da mehr. Aber das wird der Redskins-offense, die keine wichtigen Spieler verloren hat, nicht noch einmal passieren. Darum die Überraschung in der NFC: die ´Skins gewinnen die traditionell starke NFC East.

2. Philadelphia Eagles
Im Gegensatz zu vielen anderen franchises ist bei den Eagles nicht vieles oder gar alles neu, sondern gekennzeichnet durch Kontinuität. Immer noch ist Andy Reid der head coach und Donovan McNabb der QB und Brian Westbrook der RB.

Auf der offensiven Seite gibt es leichte Schwierigkeiten bei den Linienspielern durch Verletzungen, Alter und Abgängen. Aber dafür gibt es dieses Jahr gleich drei neue playmaker. Die rookies LeSean McCoy (RB) und Jeremy Maclin (WR) und dazu noch QB Michael Vick. Der Angriff sollte also ganz solide so laufen, wie in den letzten Jahren.

Problematisch wird es in der Verteidigung. Die Eagles haben mit dem langjährigen DC Jim Johnson ihren großen Meister verloren, mit safety Brian Dawkins ihren Anführer auf dem Platz und mit MLB Stewart Bradley ihren neuen aufstrebenden Mittelpunkt. Weil aber immer noch Cheftrainer Reid und genügend talentiertes Spielermaterial in Philly ist, sollte es für Platz zwei in der NFC East reichen.

3. New York Giants
Vor zwei Jahren den Super Bowl gewonnen. Letztes Jahr stark begonnn, dann nachgelassen und dann haben sie sich im ersten playoff Spiel von den 9-6-1 Eagles den Zahn ziehen lassen. Nennt man das einen absteigenden Ast?

Die Giants haben zwei ganz entscheidende Abgänge zu verkraften, die man kaum überbewerten kann: defensive coordinator Steve Spagnuolo (St. Louis Rams) und wide receiver Plaxico Burres (Knast).

Wir fangen an mit DC Spagnuolo. Spagnuolo hat nach seiner Lehrzeit beim „master-of-the-blitz“ Jim Johnson bei den Eagles aus einem Haufen mehr oder weniger talentierter Verteidiger eine der aggressivsten Verteidigungen der letzten Jahre zusammengeschustert. Höhepunkt war der game plan und dessen Ausführung, mit dem er in Super Bowl XLVII gegen die bis dahin ungeschlagenen Patriots mit der besten offense aller Zeiten nur 2 scores zuließ. (Einige werden ihn auch noch aus Deutschland kennen. Bevor er bei den Eagles angeheuert hat, war er 1998 defensive coordinator bei Frankfurt Galaxy). Sie haben nun also ihren DC verloren, sich auf spielerischer Seite aber verstärkt. Mit Chris Canty (DE, kam von den Cowboys), Rocky Bernard (DT, Seattle) und dem Monster Osi Umenyiora (DE, letztes Jahr verletzt) als Neuzugängen haben sie nun mit Abstand die tiefste D-Line der Liga und werden jedem gegnerischen Quarterback Kopfzerbrechen und körperliche Schmerzen bereiten.

Problematischer sieht es dagegen auf der offensiven Seite aus. Eli Manning hat, aus welchen Gründen auch immer, einen $97-Millionen-Vertrag bekommen. VierViertel hält Eli für einen völlig überbewerteten quarterback. Den Super Bowl, den alle immer zu seiner Verteidigung anführen, haben die Giants trotz Eli, nicht wegen ihm gewonnen. Seine Zahlen sind bestenfalls mittelmäßig. (Karrierestatistiken: 1,276/2,284, 55,9%; 98 TDs, 74 INTs). Das wichtigste war ohnehin das ground game, das letzte Saison als earth, wind and fire für Furore gesorgt hat. Allerdings ist Derrick Ward jetzt gone with the wind. Das heißt nur noch „Brandon-ich-lauf-einfach-über-die-Verteidiger-rüber-Jacobs“ (earth) und der flinke Ahmad Bradshaw (fire) sind noch da. Das wird wahrscheinlich zu verschmerzen sein. Aber problematischer ist der Verlust von Elis go-to-guy Plaxico Burres. Noch weiter gefaßt sind den Giants 120 catches abhandengekommen durch die Verluste von Plax, Amani Toomer und Ward. Wer die jetzt ersetzen soll, ist völlig offen. Mittelmäßige receiver wie Steve Smith, Domenic Hixon, sophmore Mario Manningham und die rookies Hakeem Nicks und Ramses Barden streiten sich jetzt um die Plätze auf der receiver-Position.

Ganz großer Vorteil für Eli und die running backs ist die offensive line, die seit drei Jahren in gleicher Besetzung antritt – mit LT David Diel, LG Rich Seubert, C Shaun O´Hara, RG Chris Snee, RT Kareem McKenzie

4. Dallas Cowboys
Komischerweise werden die Cowboys seit drei Jahren als eines der powerhouses der Liga angesehen. Und Tony Romo als einer der besten Quarterbacks. Und die defense als stark. Und vor allem die secondary als ganz groß. Und total albern ist der Umstand, daß die offensive line der `Boys als eine der besten der Liga angesehen wird, mit viel zu viel Pro-Bowl-Nominierungen in den letzten beide Jahren. Wirklich gut ist einzig und allein der pass rush (letzte Saison 59 sacks, Ligabestwert), sonst aber auch nichts. Und deswegen wird Dallas dieses Jahr im besten Fall mit Glück die playoffs erreichen, aber kein ernstzunehmender Super-Bowl-Aspirant sein.

Daß die Verteidigung nicht gut war, zeigt allein schon die Tatsache, daß defensive coordinator Brian Stewart erst degradiert (er durfte ab Mitte der Saison nicht mehr die Spielzüge ansagen) und dann nach Saisonende entlassen wurde.

Offensive coordinator Jason Garrett durfte trotz seiner Rolle in der albernen „Tony-hat-gesagt-daß-er-Jason-Witten-lieber-mag-als-mich (Terrell Owens)“-Posse bleiben. Jetzt muß Romo zeigen, ob er ohne T.O. überhaupt was auf die Reihe bekommt. Owens (jetzt bei den Bills) ist ohne Frage ein schwieriger Mann im locker room, aber noch weniger steht außer Frage, daß er einer der besten receiver der Liga ist und Romo mit seinen Fähigkeiten das Leben auf dem Platz leichter gemacht hat, als alle anderen `Boys zusammen. Hoffnung verspricht dagegen das running-back-trio Marion Barber, Felix Jones und Tashard Choice.

VierViertel schwört auf altbekannte Sportweisheiten und eine davon ist: big time players make big time plays. Und daran mangelt es Dallas. Romo ist gut – ohne Frage, aber er ist nur gut im September, im Oktober und manchmal noch im November. Aber die entscheidenden Spiele finden nunmal im Dezember und Januar statt. Und im tiefen Winter können die Cowboys einfach ihre Leistung nicht abrufen. Romo hat das playoff-Spiel 2006 gegen die Seahawks verbockt, 2007 haben die Cowboys eine ihrer schlechtesten Saisonleistungen in der divisional round gegen die Giants gezeigt und trauriger Höhepunkt war letztes Jahr das Spiel in Woche 17 gegen die Eagles. Es war eine klassische do-or-die-Situation. Wer gewinnt, kommt in die playoffs, wer verliert, hat Urlaub. Ergebnis: einer der krassesten Reinfälle in der Sportgeschichte! Endergebnis: Eagles 44, Cowboys 6. Dallas hat in diesem Spiel mehr falsch gemacht, als andere Teams in einer ganzen Saison, aber das ist seit Jahren symptomatisch. Wenn es darauf ankommt, tauchen sie ab.

Um das ganze noch mit Zahlen zu untermauern: letztes Jahr haben sie gegen sechs playoff-teams gespielt – und nur zwei von diesen gewonnen. Seit 2000 haben sie von ihren 46 Spielen im Dezember und im Januar nur 18 gewonnen. Vor allem Tony Romo muß jetzt endlich mal Eier zeigen, wenn es drauf ankommt, sonst bleibt er, was man im menschlichen „nett“ nennt: „gut“. Allen Iverson war auch mal ein guter Basketballer, aber wieviele Ringe hat er genau gewonnen? – eben!

Übrigens: letztes Spiel in dieser Saison in Woche 17: gegen die Eagles.