Die erste Woche der neuen NFL Saison liegt hinter uns und es gab einige Überraschungen.

Überraschung, Jay Cutler! Wenn man hinter einer O-Line steht, die nicht herausragend ist (Denvers große Jungs an der Linie haben letztes Jahr nur 12 sacks zugelassen) und die WR nicht zu den besten der Liga gehören, sieht man gar nicht mehr so gut aus. Denn dafür müßte man wirklich ein guter QB sein. Ist Cutler aber nicht. Bei der 15-21-Niederlage gegen Green Bay war Cutler 17 von 36 für 277yds, 1TD und 4 (vier) interceptions. Darum wiederholen wir es nochmal: die Bears kommen nicht in die Playoffs – jetzt haben sie nämlich auch noch MLB Brian Urlacher durch eine Verletzung für die ganze Saison verloren. Auf der anderen Seite hat Aaron Rodgers gezeigt, warum er einer besten Quarterbacks der Liga ist, solide 17/28 für 184 yards, ohne interception, dafür mit dem game-winning-drive.

Der Platz in Denver gehört jetzt Cutlers Vorgänger bei den Bears, Kyle Orten, und der hat am Wochenende die Broncos zum Sieg gegen die Bengals geführt – wenn auch sehr glücklich. Aber, und darum haben die Bengals dann auch völlig zu Recht verloren: was zur Hölle machen denn die Tiger nachdem WR Brandon Stokley den Ball fängt? Nichts! Sie werden zu heulenden Kätzchen! Es sind noch 28 Sekunden zu spielen, der Gegner fängt den Ball, läuft um die Führung und die Verteidigung hört auf zu spielen?!? Die gesamte Bank der Broncos läuft neben Stokely her bis zur Endzone und die heulenden Kätzchen joggen locker über den Platz oder liegen rum? Alle 11 Verteidiger waren so weit von Stokley entfernt, daß er erst noch – smart move – ein bißchen an der goal-line rumläuft, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Tja, „Bengals“, das nennt man wohl mangelnden Charakter oder attitude. (Linebacker Dhani Jones nehmen wir aus, der ist gelaufen; Broncos coach Josh McDaniels war nach dem Spiel genauso geschockt wie wir: „I was sure they’d have someone chasing him, a defensive back, but when I looked, all I could see was Dhani Jones. I was shocked.“)

Es gab noch einen anderen seltsame Spielzug, in dem zähen 12-7-Broncos-Sieg. Vorher im Spiel haben die Bengals bei einem 4th&2 ihre Punt-Formation aufs Feld geschickt – ohne Punter, nur hat das bei Denver niemand bemerkt, dafür haben alle auf den Punt gewartet. Ergebnis: snap to Brian Leonard, 1st down Cincy! Überraschung, Denver Broncos! Wenn kein Punter auf dem Feld steht, kommt auch kein Punt!

Aber den größten blackout haben sich die Rams in ihrer 0-28-Niederlage gegen die Seahawks erlaubt. Es steht 0-7, FG-Versuch für Seattle, die Rams blocken den Kick und tragen ihn zurück in die Endzone, 7-7 unentschieden, das Spiel ist offen. Aber dann: challenge! Unglaublich, aber wahr: bei dem Rams hatten sich 12 Spieler aufgestellt. Wie kann das passieren? Das stehen zwölf Mann nebeneinander, wo nur 11 sein sollten. Zwei Spieler hätten sich wundern müssen, daß zwischen ihnen einer steht, der normalerweise (oder im Training) nicht da steht. So war es ein momentum swing, statt 7-7 steht es drei Spielzüge später 14-0 Hawks.

Attitude, aber diesesmal positiv, haben völlig überraschend die Raiders gezeigt. Sie haben, spielerisch hoffnungslos unterlegen gegenüber den Chargers, gekämpft und mehr aus sich rausgeholt, als eigentlich in ihnen steckt. So harte hits und tackles sieht man selbst bei den Ravens oder Steelers nicht alle Tage. Und richtig überraschend war ihre Verteidigungsstrategie. Während in der NFL alle total innovativ sind und und die verrückteseten zones spielen, fire blitzes schicken, oder stack-defense spielen wollen oder ganz exotische und komische Formationen ausprobieren, haben die Raiders nicht nur in throwback-uniforms gespielt, sondern auch mit throwback defense – 70er Jahre Stil. Ganz einfaches Mann-gegen-Mann, nichts mit Zone, nur eins-gegen-eins-matchups. Jeder Spieler hat genau einen Gegenspieler und es gewinnt, wer seinen Gegenspieler plattmacht. Herrlich.

Damit haben sich die Chargers überraschend schwer getan, aber am Ende hat Philipp Rivers den Ausschlag gegeben in dem knappen 24-20 Sieg. Mit 2:34 auf der Uhr und einem 17-20-Rückstand hat Rivers – mal wieder – einen beeindrucken comeback-win eingefahren. In neun Spielzügen hat er seine Chargers über 89 yards bis in die Enzone geführt.

Ganz alt dagegen sah Kurt Warner aus. Warner sieht eher aus wie 48, denn 38; er bewegt sich fürchterlich langsam und zieht ständig ein schmerzverzerrtes Gesicht, als hätte er schon eine ganze Saison und nicht erst eine halbe Stunde Vorbereitungsspielen in den Knochen. Während des Spiels hat er sich auch noch an seiner Wurfhand verletzt (war aber wohl nichts Ernstes) und vor der Saison schon wurde er an der Hüfte operiert. Matt Leinart sollte sich schon mal auf einige starts gefaßt machen. Am Wochenende war denn auch die aggressive 49ers-defense zu viel für Cardinals; 20-16 San Fran.

VierViertel schwört auf altbekannte Sportweisheiten, eine lautet: You can not turn the ball over and win. That just does not happen! Die Dolphins waren letztes Jahr die Cinderellastory der Liga. Von 1-15 zu 11-5 und dem Divisionstitel. Viel wichtiger als die wildcat-offense war die Tatsache, daß sie in 16 Spielen nur 13 turnovers hatten. Am Sonntag gegen die Falcons hatten sie 4. Und darum hat Atlanta auch locker gewonnen.

Jake Delhomme hat im playoff Spiel letzte Saison gegen die Cardinals 5 interceptions geworfen. Jetzt im season-opener gegen die Eagles waren es 4 INT und ein verlorener fumble. Natürlich verliert Carolina.

Detroits rookie quarterack Matt Stafford warf drei INT in seinem NFL Debüt gegen die Saints, für die Drew Brees 6 TD-passes warf und diese Saison wohl alle passing records angrerifen wird. (45-27 Saints) Der andere rookie QB, Mark Sanchez führte seine Jets ziemlich beindruckend zu einem Sieg gegen die Texans. Die wichtigsten plays in einem Footballspiel sind immer die 3rd downs. Sanchez bei dritten Versuchen gegen Houston: 12-15, 191yds, 1TD, 141.0 rating.

Buffalos coach Dick Jauron erzählt seit Wochen jedem, daß er New England (und auch alle anderen Teams) dieses Jahr überraschen will, indem er das ganze Spiel lang eine no-huddle-offense laufen lassen will. Im Monday Night Game haben die Bills dann tatsächlich die ganze Zeit über eine no-huddle-offense gespielt. Wow! Die Patriots waren bestimmt total überrascht. Bill Belichick läßt seine defense jetzt neben der bekannten Patriots 3-4-defense auch eine 4-3-defense trainieren und spielen, damit er alles im Repertoire hat und gegen jede Mannschaft alle Formationen auflaufen lassen kann. Hallo Mark Sanchez, weißt Du jetzt, was am Wochenende auf Dich zukommt? Wir auch nicht. (Wer ganz sicher nicht kommt, ist ILB Jerod Mayo, defensive rookie of the year 2008, Verletzung am Knie, 6-8 Wochen Pause, das tut dieser Verteidigung richtig weh.)Das illustriert wunderbar den Punkt, warum Belichick drei Ringe hat und Jauron noch nicht einmal eine winning season. Die Patriots haben natürlich auch eine no-huddle-offense im Angebot, die sie aber nur manchmal laufen, nämlich dann, wenn es opportun ist – wenn die gegnerische Verteidigung lange auf dem Feld war und erschöpft ist. Das ist ja der Sinn der Sache – die defense kann sich nicht ausruhen und nicht auswechseln. Und besonders effektiv ist sie, wenn sie, nun ja – überraschend kommt. Ansonsten haben die Pats eben Tom Brady. Am Montag zwei touchdowns in den letzten 2:06 Minuten – 25-24 New England.

Überraschend war auch, daß Vikings Trainer Brad Childress das Spiel gegen Cleveland mit einem onside kick eröffnet hat. Das ist nicht nur dämlich (es waren dann schnelle drei Punkte für die Browns), sondern auch fürchterlich arrogant, denn damit haben sie signalisiert: uns doch egal, ob ihr schnelle Punkte gemacht, wir gewinnen so oder so. Aggressiviät und killer instinct sind ja unabdingbar, aber Arroganz fällt einem irgendwann auf die Füße. (Sonntag spielt Minny gegen die Lions; wenn sie das verlieren, weiß ich warum) Über Childress und sein Verhältnis zu seiner Mannschaft haben wir ja schonmal kurz geschrieben. Jetzt kam noch das: Childress hat WR Bobby Wade rausgeworfen, weil er keine (weitere) Gehaltskürzung in kauf nehmen wollte. Eine Woche vorher hatte Wade schon einmal ein geringeres Gehalt akzeptiert und wurde dann trotzdem rausgeworfen – und danach wieder eingestellt. Was denken Spieler über so einen Trainer? Aber herzlichen Glückwunsch, Minnesota Vikings! Ihr habt gegen ein Team gewonnen, daß letztes Jahr weniger Punkte gemacht hat als die Detroit Lions.

Wir haben hier schon geschrieben, daß die Verteidigung der Cowboys nicht besonders gut ist. Gegen die Bucs ließen sie 450 yards zu. Tampa Bays neuer head coach Raheem Morris ist der jüngste der Liga mit 33 Jahren; sie haben einen neuen Quarterback mit Byron Leftwich und zu allem Überfluß haben die Buccaneers kurz vor der Saison auch noch ihren neuen offensive coordinator Jeff Jagodzsinski entlassen. Was soll das denn werden, wenn mal ein richtiger Angriff auf der anderen Seite steht? Auf der anderen Seite haben wir uns hier Sorgen um die Bucs-defense gemacht, am Sonntag konnte man sehen, warum: 3 Mal böse geschlafen – 3 big plays für 3 Touchdowns Dallas. (WR Miles Austin mit wunderschönem spinmove nach dem catch über 42 yards in die Endzone; WR Roy Williams hatte nach seinem gefangenen Ball nur noch 66 yards freie Pleene vor sich; und dann hat Patrick Crayton auch noch einen TD geschenkt bekommen – 80 yards zum Glück.)

Zum Schluß noch einige Spieler und Teams, die besonders positiv aufgefallen sind:
– Die Verteidigung der New York Jets! Sie hielten einen der besten Angriffe der Liga, den der Houston Texans, bei nur 183 yards und 0 (null) Punkten. (Die sieben Punkte für die Texans kamen von ihrer Verteidigung).
– Philipp Merling. Sophmore DE der Dolphins. DE in einer 3-4-defense ist eine der schwierigsten Positionen auf dem Platz und Merling hat gegen die gute offensive line der Falcons gespielt, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Und OLB Joey Porter und Rückkehrer Jason Taylor sind auch nicht schlechter geworden und sind ständig im Gesicht des QBs. Da können sich Brady, Sanchez und Trent Edwards schon mal warm anziehen.
– Falcons DE John Abraham. Er hat den jungen star-left-tackle der Dolphins, Jake Long, einige male ganz, ganz alt aussehen lassen.
– noch mehr DEs: Osi Umenyiora und Justin Tuck von den Giants haben gegen die Redskins gezeigt, daß sie das beste DE-duo der Liga sind.
– Saints QB Drew Brees: 26 von 34 für 358 yards und 6 TDs.
– Vikings RB Adrian Peterson: 25rush/180yds/3TDs, 1rec/18yds und WR/RB/KR Percy Harvin: 2rush/22yds, 3rec/36yds/1TD, 3KO-ret/99yds – macht zusammen 355 yards.