Football ist eine der komplexesten Sportarten überhaupt. Neben dem großen physischen Aspekt, der ohne Frage eine „große“ Rolle spielt (man muß sich nur mal Terence „Mount“ Cody angucken, 1,96m, 160kg), stellt Football gewaltige Ansprüche an Verstand und kognitive Fähigkeiten. Daß College-Spieler, die sich zur draft anmelden, einen Intelligenztest machen müssen – den wonderlic-test – ist nur ein Ausdruck dessen. Es zeigt sich auch in dem Umstand, daß Footballspieler in der Regel erst als seniors (vier oder fünf Jahre College) den Sprung zu den Profis wagen. Selten als juniors und noch seltener once-in-a-lifetime-talents wie Michael Vick oder Michael Crabtree sogar als sophmores. Bei den Basketballern dagegen sind underclassmen eher die Regel, denn die Ausnahme.

Mount Cody und sein head coach Nick Saban (Alabama)

Ich will das hier gar nicht weiter vertiefen, sondern nur auf ein ganz interessantes aktuelles Beispiel aus dem College-Football hinweisen und dem zwei – schon etwas länger zurückliegende Fälle – aus dem College-Basketball gegenüberstellen. Die Fälle sind durchaus symptomatisch, zeigen die Unterschiede auf und verdeutlichen Probleme bei den Basketballern – wobei man aber nicht der Versuchung erliegen darf, von diesen Geschichten ausgehend verallgemeinernde Schlüsse zu ziehen.

Myron Rolle hat in den letzten drei Jahren Safety für das Footballteam von Florida State gespielt und war einer der besten defensive-backs im ganzen Land. Studiert hat er Medizin und war dabei einer der besten Studenten in den Vereinigten Staaten. Dafür hat er eine, wenn nicht die bedeutendste Auszeichnung bekommen, die ein Student weltweit bekommen kann. Er hat von der Universität Oxford ein Rhodes scholarship erhalten. Er hat sich gegen die schnellen NFL-Millionen entschieden und studiert und forscht jetzt ein Jahr lang an einer der renommiertesten Universitäten der Welt und bereitet sich „nebenbei“ auf die NFL-Draft 2010 vor. In der NYT war kürzlich ein Artikel über diesen beeindruckenden Typen

Auf der anderen, der Basketballseite, gibt es die Geschichten von Jeremy Tyler und Brandon Jennings. Tyler und Jennings haben das genaue Gegenteil von Rolle gemacht. Sie haben die High School – ja, die High School, nicht College! – abgebrochen, um nach Europa zu gehen und Geld zu verdienen. Alles mit dem Ziel, in die NBA zu kommen, wenn sie alt genug sind. Jennings Geschichte ist alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Es ist eher die story eines High-School-Stars, der außer Basketball nichts kann und außer Geld nichts will und infolgedessen die falsche Entscheidung getroffen hat. Er ist Ergänzungsspieler in Italien geworden. Er war in der Saison 2008/09 Ergänzungsspieler in Italien bei Lottomatica Rom und seine Zahlen waren alles andere als beeindruckend: 5,5 Punkte und 2,2 Assists pro Spiel in durchschnittlich 17 Minuten. Trotzdem wurde er jetzt in der ersten Runde an 10. Stelle von den Milwaukee Bucks gedraftet.

Das Schicksal von Jennings in Italien hat Jeremy Tyler nicht davon abgehalten, denselben Weg zu gehen. Er spielt jetzt für Maccabi Haifa. In seinem ersten Spiel hat er einen Punkt gemacht.

Die NBA hat vor einigen Jahren eine Altersgrenze (19 Jahre) eingeführt, um der Entwicklung, daß immer mehr High-School-Spieler direkt in die NBA kommen, entgegenzuwirken. Die Fälle Tyler und Jennings werfen die Frage auf, wie sinnvolle und zielführend diese Regel ist, wenn sie – wenn auch nicht beabsichtigt – dazu führt, daß 17-jährige nach Europa gehen und Millionenverträge unterschreiben. Wir werden abwarten müssen, wie er sich entwickelt. Die israelische Liga hat erst am vergangenen Sonntag begonnen. Interessant wird es allemal.

Also die Fragen ins Plenum: Warum versuchen so viele High-School-Talente eine Stufe in ihrer Entwicklung zu überspringen, wenn die Chancen, auf diesem Weg erfolgreich zu sein, nichtmal 50/50 sind? Kwame Brown, Sebastian Telfair, Chris Wilcox und JaVale McGee waren zu ihrer Zeit auch angebliche once-in-a-lifetime-Talente – aber einige Spielzeiten im College (im besten Falle noch mit der Tournament-Erfahrung) hätten sie wahrscheinlich (vielleicht?) zu ganz großen Spielern gemacht statt zu Mitläufern, die 12 Minuten pro Spiel kriegen. Auf der anderen Seite stehen freilich Kevin Garnett, Kobe Bryant und Dwight Howard.

Altersgrenze wieder abschaffen? Altersgrenze hochsetzen? Studienjahre statt Lebensjahre zur draft-eligibility machen? Oder gibts es noch ganz andere Vorschläge?