Gestern haben wir auf die beiden Auswärtsmannschaften gesetzt und beim ersten Spiel am heutigen Sonntag halten wie es genauso, wenn um 1p.m.ET (19.00Uhr) die Dallas Cowboys (12-5) die Minnesota Vikings besuchen (12-4).

Minnesota ist zum Ende der Saison in das berüchtigte Brett-Favre-Loch gefallen. Nach ihrem 10-1-Start gabs es erst eine heftige Klatsche in Arizona (17-30, aber das Ergbenis war mehr als schmeichehaft); einen geschenkten Sieg von den lächerlich schwachen Bengals; eine 7-26-Katastrophe in Carolina, die zu diesem Zeitpunkt schon kleine Chance mehr auf die Playoffs hatten; eine Monday-Night-Niederlage gegen die Bears, die auch um gar nichts mehr gespielt haben. In der letzten Woche der Regular Season gabs dann zwar noch einen 44-7-Sieg gegen die Giants, aber die haben sich auch auf jämmerliche Weise nicht mehr gewehrt und hatten sich schon in den Urlaub verabschiedet.

Die Frage ist jetzt, ob die Vikings rechtzeitig aus diesem Loch herauskommen können. Die zweite Halbzeit in Woche 16 gegen die Bears und der Sieg gegen die Giants zeigen zwar in die richtige Richtung, aber ernsthafte Konkurrenten waren beide Mannschaften nicht. Probleme bei den Vikings bereitet ausgerechnet die Offensive Line, worunter vor allem das Running Game leidet. Das Running Game leidet aber auch darunter, daß Brett Favre mittlerweile offenbar den Game Plan schreibt und nicht Head Coach Brad Childress. Favre macht einfach, was er will. Und meistens will er werfen. Das geht so weit, daß man sich in Minny schon fragt, ob Childress überhaupt noch der Chef ist. Für Brett Favre ist er auch in aller Öffentlichkeit nicht mehr „Coach Childress“, sondern „Brad“. Ich hab noch nie gehört, daß Drew Brees seinen Head Coach in aller Öffentlichkeit „Sean“ nennt oder Peyton Manning von „Jim“ redet. Da stimmt oben und unten nicht mehr.

Ein Führungsproblem gibt es seit längerer Zeit auch in der Defense, genauer: seit sich MLB E.J. Henderson verletzt hat. Henderson war der Leader und Quarterback der Defense, die spätestens seit seinem Ausfall nicht mehr so gut spielt wie zu Beginn der Saison. Die beiden dicken Williamse in der Mitte sind keine unüberwindlichen Hürden mehr, DE Jared Allen wurde von verschiedenen Gegner in den letzten Woche aus dem Spiel genommen und die Secondary ist bestenfalls Durchschnitt.

Bei Dallas dagegen läuft alles rund. Pünktlich zu den Playoffs sind sie auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit. Defense top, vor allem der Pass Rush um DeMarcus Ware und Anthony Spencer, die heute auch Brett Favre einige Male in den harten Boden des Metrodome rammen werden. Die Secondary ist mittlerweile auch überdurchschnittlich – wobei die Corners und Safeties natürlich auch ungemein von dem starken Pass Rush profitieren.

Im Angriff läuft alles solide. Mehr aber auch nicht. Die drei Running Backs machen sich hinter der O-Line mittlerweile recht gut und QB Tony Romo spielt fehlerfrei. Wenn Romo heute weiter so solide spielt wie in den letzten Wochen und Turnover-frei bleibt, gewinnen die Cowboys.

Danach empfangen die San Dige Chargers (13-3) die New York Jets (10-7). Die Jets haben letzte Woche relativ locker die Bengals abgekocht. Das war schon eine starke Leistung, aber Cincinnati war auch das schlechteste Team, das es in dieser Saison in die Playoffs geschafft hat. New York lebt von der unglaublich starken Defense, die in Cornerback Darrelle Revis den besten Verteidiger der NFL in seinen Reihen hat. Revis nimmt in jedem Spiel den besten gegnerischen Wide Receiver in Manndeckung und ihn (fast) völlig aus dem Spiel. Das hat er in dieser Saison schon zweimal Randy Moss gemacht, zweimal mit Terrell Owens, mit Steve Smith, mit Marques Colsten, Andre Johnson undundund…. Als Folge seiner Coverage Skill haben die Jets im Grunde einen Verteidiger mehr auf dem Platz als alle anderen Teams, weil man für den Go-to-Receiver des Gegners nicht – wie fast alle anderen Defenses – zwei Mann braucht, sondern nur einen. Das schafft Raum für viele kreative Blitzes und Doppeldeckung für den zweitbesten Receiver des Gegners. Mit Vincent Jackson hat Revis jetzt wieder einen der besten zu verteidigen – und alles andere als eine erneute großartige Leistung wär eine Überraschung.

Allerdings haben die Chargers mit WR Malcolm Floyd, TE Antonio Gates und Brandon Manumaleuna, den RBs LaDanian Tomlinson und Darren Sproles noch genügend andere Waffen. Und am Abzug sitzt mit Philip Rivers einer der besten Quarterbacks der Liga, der immer noch ein wenig unterschätzt wird. Gerade seine Crunch-Time-Qualitäten. San Diego wird auch trotz Revis oft genug den Weg in die Endzone finden.

New York dagegen wird das nicht so oft gelingen. Mit Mark Sanchez ein Rookie auf der QB Position und dazu nur mittelmäßige WR. Die Jets leben von ihrem Laufspiel. Das wird sicher auch für einige Yards und ein, zwei TDs gut sein, nur: das wird nicht reichen, gegen die Chargers, die aus allen Rohren feuern können. Und weil wir auch mal auf eine Heimmannschaft setzen müssen, sagen wir: Chargers.