Manning macht den Favre, Brees den Manning und Payton ist der Bruder von Belly

Der Beginn war so wie die meisten Besserwisser (jaja, ich auch) sich das ganze Spiel vorgestellt haben. Erster Saints Drive: 3 & out. Erster Colts Drive: 11 Plays, 58 Yards, 5:53 – 3:0 Indy nach einem 38-Yard-Fg von Matt Stover. Zweiter Drive Saints: ein 1st Down dann Punt. Zweiter Drive Colts: 11 Plays, 96 Yards, 4:36; 19-Yard-TD-Paß von Manning auf Pierre Garcon.

Zu Beginn des zweiten Viertels schienen die Saints sich erstmal gefangen zu haben. Ein solider Drive über 60 Yards bringt nach einem 46-Yard-FG von Kicker Garrett Hartley die ersten Punkte. Colts 10, Saints 3. Aber das Ausrufezeichen hat Indys DE Dwight Freeney gesetzt, der beim dritten Versuch Brees umgerissen hat und damit einen längeren Drive verhindern konnte. Bis hierher, noch 9:34 Minuten im zweiten Viertel zu spielen, sah das nach einem ganz souveränen, perfekt ausgeführtem Stiefelrunterspieler der Colts aus.

Im anschließenden Ballbesitz der Colts dann der erste Knacks, der erste Fehler. Beim dritten Versuch kann Garcon einen punktgenau geworfenen Paß von Manning nicht festhalten: 3 & out.

Und ab jetzt – noch 8:14 Minuten in der ersten Halbzeit zu spielen stand plötzlich der Doppelgänger von Peyton Manning bei den Saints under center. Drew Brees hat viele kurze millimetergenaue Pässe geworfen; alle nicht weit, sondern das klassische Manningsche dink-and-dunk. Die Saints haben mehrfach mit ihrem playcalling den langen Ball gesucht. Brees hatte auch mehrmals seinen first-read beim tiefen Mann, hat aber immer gesehen, daß der durch Indys bend-but-don´t-break-Ansatz nicht frei war und hat sich dann schnell für den kurzen Paß entschieden. Und jeder Ball saß mit beeindruckender Präzision. Am Ende stand NO dann an der 1-Yard-Linie und Sean Payton, in alter Belly-Manier (Payton hat übrigens wie Belly auch bei Bill Parcells gelernt), spielt die Wahrscheinlichkeiten und hat den Mut, den vierten Versuch ausspielen zu lassen. Das ging zwar schief. Aber erstens haben Payton und sein Team damit gezeigt, daß sie das Spiel aggressiv gewinnen wollen. Und zweitens wird Eierzeigen früher oder später immer belohnt.

Dann der zweite große Knacks für Indy. Und der stand in krassem Kontrast zu der mutigen Entscheidung der Saints. Indy braucht bei noch 1:49 auf der Uhr nur einen First Down um die Zeit auslaufen zu lassen und um den Saints nicht den Ballzurückgeben zu müssen. Aber Indys Coach Caldwell (oder Manning selbst; ich weiß nicht, wer von beiden die Entscheidung getroffen hat) entscheiden sich für die Mutti-Variante: lassen dreimal laufen und müssen dann von der eigenen 10-Yard-Linie punten. Ey! Jim Caldwell, vertrau Peyton Manning! Und Peyton Manning, vertrau dir selbst! Ein einziger 1st Down bei drei Versuchen, das macht Manning normalerweise zum Frühstück. Im vorbeigehen. Mit links und 40 Fieber. Und jetzt im Super Bowl in einer entscheidenden Situation gebt ihr den Ball in die Hände von Mike Hart?!? Genau das war der Unterschied: Indy hat versucht, das Spiel nicht verlieren. New Orleans wollte aggressiv das Spiel gewinnen.

Da wurden die Saints das erste Mal belohnt: Ball an der eigenen 48. Brees zu Henderson. Brees zu Henderson. Brees zu Bush. Hartley aus 44 Yards ins Tor. Colts 10, Saints 6. Halbzeit.

So mutig die Entscheidung von Payton, den vierten Versuch auszuspielen auch aussah: er hat die Wahrscheinkichkeiten gespielt. Aber richtig mutig und eine der besten Risiken, die jemals in einem Super Bowl eingegangen wurden, war dann der Onside Kick zu Beginn der zweiten Halbzeit. New Orleans sichert sich den Ball. Anschließend nimmt die Drew-Brees-Show noch mehr an Fahrt auf. Langsam, aber sicher marschieren die Saints bis in die Endzone zu ihrer ersten Führung, 13:10. Brees in dem Drive: 5 von 5, 51 Yards, TD.

Der echte Manning auf der anderen Seite orchestriert im direkten Anschluß auch wieder einen langen, zeit- und raumfressenden Drive. Nach 10 Spielzügen, 76 Yards und 5:26 läuft RB Joseph Addai ins Glück. 17:13 Indy.

Der falsche Manning auf New Orleans´ Seite spielt weiter fehlerlos, aber die Indy-D kann dieses Mal ein Stopschild aufstellen. Allerdings zeigt der blutjunge Kicker der Saints, Garrett Hartley, zum dritten Mal keine Nerven und verwandelt sein drittes Field Goal aus mehr als 40 Yards Entfernung. Nach dem 47-Yard-FG und noch 2:06 im dritten Viertel auf der Uhr verkürzen die Saints auf 17:16.

Dritter Knacks und zweiter ängstlicher und kostspieliger Fehler im Game Management der Colts. Im folgenden Drive kommt Caldwell auf die wahnwitzige Idee, den 108 Jahre alten Matt Stover ein Fiel Goal aus 51 Yards schießen zu lassen. Ey Colts! Ihr habt Peyton Manning! Laßt ihn werfen! Die Wahrscheinlichkeit, den 4ten Versuch zu verwandeln, waren größer, als Stover so ein langes Ding schießen zu lassen. Stover hat seit 2002 genau ein (1, one, I, uno) FG aus mehr als 50 Yards verwandelt. Um rauszufinden, ob er es noch kann, ist das vierte Viertel in einem Super Bowl der denkbar dümmste Zeitpunkt. New Orleans kriegt damit nach dem Onside Kick das zweite Mal in der zweiten Halbzeit ein kurzes Feld. Und mit dem folgenden Ballbesitz sichert sich Brees die MVP Trophy. Zum genießen play-by-play:

New Orleans Saints at 10:39
1-10-NO 41 (10:39) (Shotgun) R.Bush left tackle to IND 47 for 12 yards (C.Session).
1-10-IND 47 (10:00) D.Brees pass short right to P.Thomas to IND 42 for 5 yards (G.Brackett).
2-5-IND 42 (9:19) (Shotgun) D.Brees pass short left to D.Henderson to IND 36 for 6 yards (T.Jennings).
1-10-IND 36 (8:36) (Shotgun) D.Brees pass short left to R.Bush ran ob at IND 28 for 8 yards.
2-2-IND 28 (8:06) D.Brees pass short left to M.Colston pushed ob at IND 20 for 8 yards (T.Jennings).
1-10-IND 20 (7:34) D.Brees pass short right to R.Meachem pushed ob at IND 14 for 6 yards (A.Bethea).
2-4-IND 14 (7:06) (Shotgun) D.Brees pass short left to D.Thomas to IND 5 for 9 yards (G.Brackett).
1-5-IND 5 (6:23) P.Thomas right tackle to IND 2 for 3 yards (G.Brackett).
2-2-IND 2 (5:46) D.Brees pass short right to J.Shockey for 2 yards, TOUCHDOWN.

(Pass formation) TWO-POINT CONVERSION ATTEMPT. D.Brees pass to L.Moore is incomplete. ATTEMPT FAILS.
New Orleans challenged the incomplete pass ruling, and the play was REVERSED.
(Pass formation) TWO-POINT CONVERSION ATTEMPT. D.Brees pass to L.Moore is complete. ATTEMPT SUCCEEDS.
NO 24 IND 17, 9 plays, 59 yards, 4:57 drive, 9:18 elapsed

Damit war alles klar. Noch 5:35 zu spielen. Sieben Punkte Rückstand. Manning macht einfach das, was er schon 7 mal diese Saison gemacht hat – ein 4th-quarter comeback. Es wird also in die Verlängerung gehen. Das erste Mal im Super Bowl. Und danach wird es die gesamte Offseason lang nur eine Diskussion geben: wie ändern wir die OT-Rule? (Die 2pt-Conversion hätte nicht zählen dürfen. Moore kann den Ball nicht kontrollieren, bis er endgültig auf dem Boden zum liegen kommt. Den Regeln nach muß der Receiver Kontrolle über den Ball haben „all the way through the catch“ – bis zum bitteren Ende; und dabei spielt es keine Rolle, ob er zwischendurch auch schonmal in der Endzone lag oder nicht. Noch schlimmer wird die ganze Sache, weil der Side Judge es richtig entschieden hat und danach von Scott Green overruled wird. Furchtbar! Wo hat Mr. Green da denn bitte „conclusive visual evidence“ gehabt? Damit wär der Vorsprung fünf Punkte gewesen und Manning hätte endlich seinen Magic Moment, seinen für immer legendären Super-Bowl-Winning-Drive gehabt. So wars dann auch egal, aber ärgerlich allemal.)

Auf gehts: Manning zu Garcon für 17 Yards. Manning zu Garcon für 10 Yards. Jetzt schon in NO-territory, noch 4:33. Manning zu Wayne für 12 Yards. Manning zu Wayne für 5 Yards. NO 31, noch 3:29. Die Frage jetzt: wieviel Zeit kann Manning noch von der Uhr nehmen, bevor er den Touchdown wirft? Antwort: Brett Favre wirft zu Tracy Porter für 74 Yards. Touchdown. Game Over. Saints 31, Colts 17. Wie zur Hölle? Warum um alles in der Welt wirft Manning so einen dämlichen Brett-Favre-Paß? Unerklärlich. Dafür haben wir jetzt eine neue Offseason-Diskussion: ist Manning doch nicht besser als Joe Cool und Tom Terrific, wie so viele vor diesem Super Bowl behauptet haben? Ist Manning nicht mal besser als Brett Favre? Die Zahlen: 1 Ring, Playoff-Record 9-9. Ist Manning die Atlanta Braves?

Die Colts haben kostspielige Fehler gemacht. Individuell: Garcon und vor allem Manning. Und im Game Management: der letzte Drive der ersten Halbzeit und die Field-Goal-Entscheidung. Die Saints dagegen haben einfach keine Fehler gemacht. Die gesamten Playoffs über nicht. In den drei Spielen hatten sie nur einen Ballverlust und keinen verschossenen Field-Goal-Versuch. (Der heimliche MVP im Super Bowl war Kicker Garrett Hartley. 3 von 3 aus 46, 44 und 47 Yards. Wow. Nerven.) Diese Sicherheit plus die agressive Art der Saints, angefangen bei Head Coach Sean Payton über DC Gregg Williams bis hin zu fast allen Spielern, waren die beiden entscheidenden Faktoren für ihren Erfolg. Bei Jordan nannte man das früher Killerinstinkt. Von Federer, Schuhmacher, Tiger Woods und Montana kennt man das auch. Von Manning erwartet man das noch in den Playoffs. Die Saints haben es dieses Jahr auch gezeigt. Und sie haben die besten Voraussetzungen diesen Erfolg fortzusetzen.