Es wurde ja in den letzten zwei Wochen sehr deutlich, daß die Philadelphia Eagles nicht mit ihren drei bisherigen Quarterbacks Donovan McNabb, Kevin Kolb und Michael Vick in die neue Saison gehen werden. Aber daß sie ihren langjährigen Starter McNabb ausgerechnet zum Erzfeind Washington Redskins verfrachten, kam dann doch ziemlich überraschend. Die Eagles bekommen im Gegenzug den diesjährigen 2nd-round pick (37.) der Skins plus entweder einen 3rd- oder 4th-round pick 2011.

McNabb war im vergangen Jahrzehnt – neben RB Brian Westbrook – das Gesicht der Philadelphia Eagles. Er hält so gut wie alle Vereinsrekorde, führte die Eagles fünfmal ins NFC Championship Game und in den Super Bowl XXXIX. Allerdings blieb dem 1st-round-pick 1999 (2. insgesamt) der große Wurf verwehrt. Im Super Bowl unterlag man im Januar 2004 den New England Patriots. Von den fünf NFC Championship Games gewann man nur eines. McNabb ist somit sowas wie der Dirk Nowitzki der Eagles geworden: das Aushängeschild, der franchise player, der teaminterne Rekordhalter – aber eben nie der Brady oder Kobe Bryant, der die Titel holt; der letzte, entscheidende Touchdown fehlte immer.

Philly steht nun aber gar nicht so schlecht da, wie es auf den ersten Blick erscheint. Mit Kevin Kolb, 2nd-round-pick 2007 (36.), haben sie ein aufstrebendes Talent in den Startlöchern. Kolb hat drei Jahre unter Eagles HC Andy Reid und McNabb gelernt und hat durchaus das Zeug, in der kommenden Saison der nächste Aaron Rodgers zu werden, der die Fans in Green Bay schon „Brett Who?!?“ rufen läßt. Mit Michael Vick als Back-up-/Wild-Card-QB sind die Adler gut besetzt auf der Spielmacherposition. Die Frage ist, ob das besser ist als McNabb.

Die Washington Redskins bauen seit Dan Snyder den Verein gekauft hat (1999) kontinuerlich ihr Team um. Synder ist so etwas wie der Al Davis der Ostküste – nur ohne jeden Erfolg. Neue Coaches, jeder für sich Retter der Franchise (Marty Schottenheimer, Steve Spurrier, Joe Gibbs) wurden geholt und wieder entlassen. Regelmäßig wurde das halbe Team umgekrempelt. Zuletzt wurde völlig ohne Sinn und Verstand der vormalige Quarterbacks Coach der Baltimore Ravens zum Head Coach gemacht. Zorn ist sicherlich ein fähiger Mann – aber nicht, wenn der eigentliche Head Coach immer noch Dan Synder heißt. Snyder hielt in den letzten zwei Jahren mehr oder weniger alleine die Zügel in der Hand, bestimmte die Richtlininen und hat Zorn zu guter letzt auch noch ohne Rücksprache mitten in der Saison einen neuen Offensive Coordinator vorgesetzt.

Jetzt sieht es so aus, als würde Synder mal was intelligentes machen. Er hat Mike Shanahan als neuen Cheftrainer verpflichtet. Der wird sich ganz sicher nicht ständig von dem Owner reinreden lassen. Shanahan ist neben New Englands Bill Belichick der einzige aktuelle Head Coach in der NFL, der mehr als einen Ring sein eigen nennen kann. (Super Bowls 1997 und 98 mit den Denver Bronos.)

Mit Jason Campbell wurde die Skins-Offense in den letzten dreieinhalb Jahren von einem durchaus talentierten QB angeführt. Der allerdings auch „nur“ gut ist. Was man nicht weiß, ist, ob er schon sein ganzes Potential gezeigt hat, oder ob er zu sehr darunter gelitten hat, daß er seit seiner Zeit bei Auburn jedes Jahr mit einem neuen Offensive Coordinator arbeiten mußte. Als zweiten (dritten ?) QB hat Shanahan schon Rex Grossman verpflichtet, den Jo-Jo-Quarterback, der die Chicago Bears 2006 in den Super Bowl geführt hat.

McNabb wird auf jeden Fall der QB-1 werden. Was mit diesem Roster – McNabb, Campbell, Grossman – auch feststeht, ist, daß Washington auf keinen Fall seinen diesjährigen 1st-round-pick (4. insgesamt) für einen der beiden großen QB-Talente Sam Bradford (Oklahoma) und Jimmy Clausen (Notre Dame) verbraten wird. Sondern sich den besten Left Tackle angeln wird, wahrscheinlich OK States Russel Okung. Damit haben sich die Skins auf jeden Fall verbessert. Eine richtig gute Defense haben sie schon, was oft übersehen wird. Die ohnehin schon starke NFC East mit den Cowboys, Eagles und Giants wird damit noch ausgeglichener. Wer besser aus diesem Tade hervorgeht, Skins oder Eagles, wird sich dann ab September (verdammt, ist das noch lange hin!) zeigen.