Les Carpenter von Yahoo!Sports hat diese Woche ein ausgezeichnetes Portrait von Mike Holmgren gebracht, dem neuen Team President der Cleveland Browns. Holmgren begann seine Trainerkarriere 1986 bei den San Francisco 49ers; das beste, was einem jungen Coach in den 80er Jahren passieren konnte – sein Chef war die Legende Bill Walsh. Damit gehört Holmgren auch zu Bill Walshs großem Coaching Tree.

Von 86 bis 88 war er San Frans QB-Coach – die QBs waren Joe Montana und Steve Young. Auch wenn man den Einfluß von Walsh auf Montana und Young gar nicht überschätzen kann, so hat Holmgren doch hier schon gezeigt, wie er talentierte Quarterbacks, gerade Young, zu Höchstleistungen und an ihre Grenzen bringen kann. Walsh erklärte nach dem Triumph in Super Bowl XXIII (20-16 comeback victory über die Bengals) Anfang 1989 seinen Rücktritt. Unter dem neuen HC George Seifert wurde Holmgren Offensive Coordinator und die 49ers krönten im folgenden Jahr eine 14-2 Regular Season mit einem Triumph in Super Bowl XXIV über John Elways Denver Broncos. Die Playoffs ´89 waren ein einziges Gemetzel der Niners: in der Divisional Round schlug man die Minnesota Vikings mit 41-13, das NFC Championship Game gewann man mit 30-3 gegen die L.A. Rams und im Super Bowl wurden die Broncos mit 55-10 fürchterlich zerlegt. Die 55 Punkte sind bis heute ebenso SB-Rekord wie der 45-Punkte-Vorsprung.

Nach zwei weiteren Spielzeiten als OC bekam Holmgren die Möglichkeit, den Cheftrainerposten der Green Bay Packers zu übernehmen und griff zu. Damals waren die Packers alles andere als eine gute Adresse. In den 24 Jahren nach dem Abgang Vince Lombardis 1968 gewannen sie nur fünf mal mehr Spiele in der Regular Season als sie verloren, erreichten nur zweimal die Playoffs und gewannen in diesen nur ein Spiel. 1992, in seiner ersten Saison in Green Bay, machte Holmgren einen jungen unreifen Gunslinger zum QB-1, mit dem er den Cheeseheads auch gleich eine winning season bescherte, 9-7. Der Quarterback war Brett Favre, und in den nächsten sechs Jahren lieferte Holmgren sein Meisterstück ab: Green Bay erreichte in jeder Saison die Playoffs und der junge wilde Quarterback gewann drei mal in Folge (1995, ´96, ´97) den MVP-Titel. 1996 holte sich Holmgren seinen dritten Ring mit einem 35-21 in Super Bowl XXXI gegen die New England Patriots; 1997 verlor man gegen die Denver Broncos in Super Bowl XXXII 24-31, womit sich Elway für die historische Niederlage acht Jahre zuvor gegen Holmgren revanchierte und sich mit 37 Jahren endlich den wohlverdienten Ring sichern konnte.

Nach der Saison 1998 kündigte Holmgren und unterschrieb einen 8-Jahres-Vertrag bei den Seattle Seahawks als Head Coach und General Manager. In seiner ersten Saison führte er die Seahawks gleich in die Playoffs. In den folgenden drei Jahren war Seattle nur Durchschnitt (22W, 26L) und blieb ohne Playoff-Teilnahnme. Die schwache Leistung war auch auf interne Kompetenzstreitigkeiten zurückzuführen, an deren Ende Holmgren 2002 den Posten als General Manager aufgeben mußte. Von da an ging es nur noch bergauf. Von 2003 bis 2007 erreichten die Hawks in jedem Jahr die Playoffs. In der Saison 2005 führte Holmgren die Seahawks zu der ersten Endspielteilnahme in ihrer Geschichte; Super Bowl XL ging aber 10-21 gegen die Pittsburgh Steelers verloren. 2006 und 2007 schaffte man es jeweils bis in die Divisional Round. Vor der Saison 2008 kündigte Holmgren an, an deren Ende zurückzutreten und die Saison beendete Seattle mit einem schwachen 4-12-record. Aus Green Bay brachte Mike Holmgren übrigens Favres back-up Matt Hasselbeck mit, der an der amerikanischen Westküste unter seinem Cheftrainer zum Pro Bowler wurde, wie vor ihm Steve Young und Brett Favre. In der diesjährigen Draft griff Holmgrens neuer Arbeitgeber, die Cleveland Browns, in der dritten Runde auf sein Betreiben hin zu, als überraschenderweise noch Quarterback Colt McCoy (Texas Longhorns), einer der besten College-QBs der letzten Jahre, auf dem Markt war. Young, Favre, Hasselbeck, McCoy?

Remember Greg Paulus? Nach vier Jahren als Aufbauspieler beim Basketballteam der Duke Blue Devils wollte sich Greg Paulus nochmal in seiner anderen Sportart versuchen – er wechselte zu den Syracuse Orangemen und war dort in der letzten Saison der starting QB. Paulus war in der Highschool einer der begehrtesten Basketball- und Footballspieler des Landes. Als Quarterback erhielt er Angebote von den renommierten powerhouse programs Miami und Notre Dame. Er nahm aber das Basketball-Stipendium von Duke an und war dort in den ersten drei Jahren auch ein erfolgreicher Point Guard, bevor er dann in seiner Senior Season die Starting-Rolle an Nolan Smith verlor. Nach seinem Wechsel zu Syracuse war Paulus in der letzten Saison (2009)  QB-1 der Orangemen. Sein Cheftrainer dort war Doug Marrone, der wiederum war von 2006 bis 2008 Offensive Coordinator unter Sean Payton, dem HC der New Orleans Saints und diese Saints haben jetzt Paulus zu einem Tryout eingeladen. Und um den geschlossenen Kreis noch runder zu machen: dort trainiert Paulus zusammen mit Jimmy Graham, der von 2005 bis 2009 ebenso wie Paulus Basketball in der ACC gespielt hat, bei den Miami Hurricanes. (Übrigens gehört Paulus auch zu einem großen Kreis von riesigen Highschool-Talenten, die es von Duke aus nie zu erfolgreichen NBA-Spielern gebracht haben. Über die möglichen Gründe hat Josh Levin in Slate vor einigen Wochen nachgedacht.)

In die Riege derjenigen, die sich unterbezahlt fühlen, darum einen neuen Vertrag fordern und, weil sie ihn nicht kriegen, jetzt erstmal das Training schwänzen, hat sich nun auch der beste Verteidiger der Liga eingereiht: New York Jets Cornerback Darrelle Revis. Komplizierte Geschichte.

Und wieder und wieder wollen wir auf Matt Bowen mit seiner großartigen Taktik-Reihe bei der National Football Post verweisen. Diesesmal ein Laufspielzug: Inside Zone mit dem Beispiel Adrian Peterson.

Zum Schluß haben wir wieder einen Artikel von Andy Benoit, diesesmal vom Fifth Down Blog der NYT: diesesmal nimmt uns Benoit mit auf eine fiktive Party, die sinnbildlich für die lange, lange Offseason steht. Alle Aufreger und Diskussionen der letzten Wochen und Monate auf sehr amüsante Art und Weise erzählt.

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