Mock Drafts sind so überflüssig wie ein zweiter Punter. Aber weil es Spaß macht und man sich ja trotzdem mit Armlängen, Kindheit und Football-IQ der jungen Herren auseinandersetzt, haben wir hier auch schon mal die Draft durchgespielt. Weil aber immer alles anders kommt, als man denkt, wurden auch schon alle Trades, die auf jeden Fall und ganz sicher so kommen werden, mit eingewoben. Unsere Quellen für die Trades (und überhaupt für die ganze Mock Draft) sind a) „people who know things“, b) „people with knowledge of the situation“ und c) „a source who I trust“.

1. Carolina Panthers– Marcell Dareus (DT, Alabama)

Der neue HC Ron Rivera, vormals Defensive Coordinator der Chargers und Bears, bei denen er in den 80ern auch Linebacker gespielt hat, weiß, daß man eine gute Defense um eine starke Linie herum aufbaut. Mit Charles Johnson hat man schon einen sehr starken jungen Edge Rusher, aber leider noch ein Loch in der Mitte. Darum nimmt man die 310 Pounds Beef Dareus. Patrick Peterson war hier auch eine Überlegung wert, aber die Secondary war nicht das größte Problem der Panthers, die schwache Mitte hingegen war es schon. Falls im Front Office noch irgendwer den Verstand verliert, könnten auch die WR A.J. Green oder Julio Jones an der 1 weggehen. Das wär aber Quatsch, weil man einen Wide Receiver nur in den Top-15 draften sollte, wenn man sonst keine großen Needs hat. Quarterback kann man auch noch nicht ausschließen, dazu ist aber alles schon beim Kollegen korsakoff gesagt worden.

2. Denver Broncos – Nick Fairley (DT, Auburn)

Vielleicht lassen sich die Broncos auch von Patrick Peterson verzaubern, aber eigentlich haben sie ihre beiden Starting-CBs. Weil der neue Cheftrainer John Fox die Defense wieder auf 43 umbaut, braucht man erstmal dafür passendes Spielermaterial. Robert Quinn wär eine Option als 4-3-DE. Letztendlich entscheidet sich Fox für den talentiertesten D-Liner des Jahrgangs, weil er seine beiden Defensive Ends mit Elvis Dumervil und Robert Ayers schon im Kader hat. Dumervil hat aber das gesamte letzte Jahr nicht gespielt und Ayers konnte noch nicht zeigen, warum er 2009 ein 1st-rd Pick war. Vielleicht auch, weil er zum 3-4-OLB umgebaut wurde.

3. Buffalo Bills – Von Miller (OLB, Texas A&M)

Nick Fairley wär ein Perfect Fit als 3-4-DE neben dem Monster NT Kyle Williams. Weil der aber weg ist, muß man sich mit Von Miller begnügen, dem besten OLB Prospect.

4. Cincinnati Bengals – Cam Newton (QB, Auburn)

Die Bengals machen auf jeden Fall was dämliches, die Frage ist nur, was. Wenn es so kommt, daß keiner der oberen Drei sich die Finger an den High-Risk-Picks Blaine Gabbert und Cam Newton verbrennen will, dann könnten doch HC Marvin Lewis im Verbund mit seinem ungeduldigen Owner die Hand auf die Herdplatte legen. Sagen wir einfach mal Newton statt Gabbert, einfach weil er irgendwie spektakulärer ist. Dann könnte es mit Cincy kann schnell tief abwärts gehen, in zwei Jahren Totalzusammenbruch und Anfangen bei null.

5. Arizona Cardinals – Akeem Ayers (OLB, UCLA)

Die Cards brauchen einen QB, der sofort spielen kann. Sie werden sich darum eher um Spielmacher wie Kevin Kolb, Carson Palmer, Marc Bulger oder vielleicht sogar Alex Smith bemühen. Palmer sollte auf Ken Whisenhunts Offense passen, wie die Faust aufs Auge. Am liebsten wäre den Cardinals ein waschechter OLB und kein umgebauter DE. Von Miller wäre der Lieblingspick, aber weil der schon weg ist, könnte man sich entweder Patrick Peterson schnappen oder einen OLB , der nicht als Top-5 Talent gehandelt wird, aber allerbeste Voraussetzungen hat, ein ganz großer zu werden: Akeem Ayers. Whisenhut, der aus der Dick LeBeaus Schule kommt, schätzt LBs wichtiger ein als CBs. Und weil man neben Rodgers-Cromartie auf den jungen, sich entwicklenden Greg Toler setzt, verzichtet man auf Peterson.

6. Cleveland Browns – Julio Jones (WR, Alabama)

Die Browns bauen wie die Broncos wieder zurück von 3-4 auf 4-3 und brauchen dafür Manpower. Dareus und Fairley sind leider schon weg, also nimmt man den besten DE der noch da ist: Robert Quinn. Oder auch nicht. Weil die Browns lieber was aufregendendes für ihre lahme Offense wollen, schenkt Holmgren seinem neuen HC Pat Shurmur und seinem QB Colt McCoy ein tolles Spielzeug: Julio Jones.

7. San Francisco 49ers – Patrick Peterson (CB, LSU)

Jackpot für die 49ers: man sucht händeringend einen CB und jetzt sind sowohl Patrick Peterson als auch Prince Amukamara noch da. Weil der neue Head Coach Jim Harbaugh nicht den Eindruck eines Vollidioten macht, werden die Niners schön die Finger von den QBs lassen und sich lieber jemanden besorgen, der das schonmal in der NFL gemacht hat, siehe Cardinals: Kolb, Palmer, Bulger. Außerdem kann man ja auch versuchen, dem ehemaligen No.1 Pick Alex Smith die siebente Offense in sieben Jahren beizubringen. Und wenn alles schief geht, hofft man auf Andrew Luck 2012.

8. New England Patriots (von Tennessee) – Robert Quinn (DE/OLB, North Carolina)

Die Titans zögern noch, ob sie  einem eher mittelmäßigen Prospect wie Blaine Gabbert Top-10 Money hinterherwerfen sollen, da rufen ganz aufgeregt die Patriots an, weil sie den besten Pass Rusher der Draft mit Robert Quinn haben wollen. Genug Munition um fröhlich rumzutraden haben die Pats ja, und fröhlich rumtraden ist eines von Belichicks liebsten Hobbies. Er müßte noch ein wenig lernen, um OLB in einer 3-4 zu spielen, aber zugute kommt ihm die Fähigkeit, auch DE in einer 4-2-Nickel-D spielen zu können. Zweitbeste Möglichkeit wär Akeem Ayers, der hier mit dem fünften Pick sehr früh geht. Sollte Ayers noch nicht weg sein, ist es gut vorstellbar, daß die Patriots irgendwo in die Top-14 traden, um ihn zu bekommen.

9. Detroit Lions (von Dallas) – Prince Amukamara (CB, Nebraska)

Die Cowboys haben die freie Auswahl. Man braucht einen Offensive Tackle, einen 3-4-DE und einen Cornerback. Nur hat Jerry Jones noch nie einen OT in der ersten Runde gedraftet, zwei teure Cornerbacks mit Mike Jenkins und Terence Newman sind schon im Kader und drei Goldesel möchte man auch nur ungern in der Secondary haben; und DE in einer 3-4-D ist so ziemlich die langweiligste Position, die es gibt im Football, für den kommen keine 100 000 Fans in Jerrys World. Es schreit geradezu nach runtertraden zu einer Mannschaft, die sehr gerne Prince Amukamara hätte und dann holt man sich billiger als an Position Neun entweder einen der OT Gabe Carimi/Derek Sherrod oder einen der DEs J.J. Watt/Cam Jordan. Prognose: Trade mit Detroit an 13. Die Lions brauchen ungefähr vier Cornerbacks, da muß man gleich in der ersten Runde einen nehmen.

10. Washington Redskins – A.J.Green (WR, Georgia)

Die Skins brauchen alles mögliche, darunter auch einen Wide Receiver. Und weil das Riesentalent Green an der 10 noch da ist, greift man beherzt zu und kümmert sich um alles andere später.

update: Mock Draft Teil 2 und Teil 3 sind auch schon veröffentlicht und die lose Reihe mit Gedanken zum Thema „Drafting Quarterbacks“ wird auch immer länger.