Chuck Klosterman, den ich nach seinen Veröffentlichungen auf Grantland schnell schätzen gelernt habe, hat gestern einen tollen Text über die Half-Court-Rule in der NBA geschrieben.

Rule 5-Section VII-d: „During the last two minutes of the 4th quarter and any overtime period when a team in possession of the ball calls a time-out in the back court, play shall be resumed with a throw-in from mid-court …“

Die Regel ist strange, weil es dafür keine richtige (sachliche) Begründung gibt, und weil auch Klosterman nicht wußte, wo diese Regel überhaupt gerkommt, hat er People Who Know Things gefragt und Doug Collins konnte ihm weiterhelfen: nach Collins wurde die Regel vor der NBA-Saison 1976-77 eingeführt; als Antwort auf ein Triple-OT-Game in den NBA Finals zwischen Boston und Phoenix in der Saison zuvor. Da pssierte folgendes:

Smart genug, um Trainer der Sacramento Kings zu werden

Smart genug, um Trainer der Sacramento Kings zu werden

During Game 5 of this series, Boston seemingly won the game at the end of the second overtime on a shot from John Havlicek, which gave Boston a 111-110 lead with one second on the clock. The Suns had no timeouts remaining. However, Phoenix guard Paul Westphal called timeout anyway (fully knowing they had none left), which led to a technical. Boston made the subsequent free throw, but the Suns were then allowed to take possession at midcourt (instead of under their own basket). Gar Heard proceeded to drain a deep turnaround off the inbounds pass and Phoenix forced a third overtime, which it eventually lost.

Das muß das smarteste sein, was ein Basketballer jemals in einem Championship Game mit nur noch einer Sekunde auf der Uhr gemacht hat. Ein Sportler beschert seiner Mannschaft absichtlich einen (kurzfristigen) Nachteil, der sich mittelfristig positiv auswirkt.

We need Safety Help

We need Safety Help

Woran denkt man da als Footballfan zuallererst? Bill Belichick. 2003 in Woche 9 gegen die Denver Broncos gibt Belly beim Spielstand 23-24 mit noch 2:51 auf der Uhr bei einem Punt seinem Longsnapper die Anweisung, absichtlich über den Punter und die Grundlinie zu snappen und damit einen Safety zu produzieren, der den Broncos auf ihre 1-Punkte-Führung nochmal zwei Zähler obendrauf gibt.

Regeltechnischer Hintergrund: nach einem erlittenen Safety bekommt die Mannschaft einen Free Kick (Punt ohne Snap) von der eigenen 20-Yard-Linie. Ohne Safety hätte der Punter (bei Snap von der 1-Yard-Linie) aus seiner eigenen Endzone punten müssen. Durch den Free Kick haben die Pats zwar zwei Punkte abgegeben, aber mehr als 20 Yards gewonnen und damit Denver 1) jede Chance auf einen Return in die Field-Goal-Range genommen und 2) die Gefahr eines geblockten Punts, die in der Endzone immer höher ist, eliminiert.

Also  Free Kick New England, die Patriots-D stoppt Denver in drei Versuchen und Tom Brady führt seine Angriffsreihe bis in die gegnerische Endzone – TD Pats und Game Over.

(Die Half-Court-Rule gibt es übrigens seit mindestens 1967; mindestens, weil es keine älteren erhaltenen Rule Books gibt. Doug Collins hatte also nicht recht, was aber toll ist, denn andernfalls hätte ich niemals von dem Paul-Westphal-Play gehört.)